April 2011: Die Vital-Kolumne (3) auf lr-online.de

Wenn Frühlingsgefühle Schmerzen bereiten

Im Bett ist es doch am schönsten, dachte ich während des letzten Winters. Zeitig wurde es dunkel und erst spät wieder hell. Das Fernsehprogramm war vollgestopft mit preisgekrönten Leinwandfilmen. TV-Premiere stand oft dabei. Ich bastelte mir einen Plan, um zwischen den Mahlzeiten auch in den Genuss der besten Filme aller Zeiten zu kommen. Die Funktionen der Fernbedienung hatte ich drauf, während ich meine Körperfunktionen auf ein Minimum reduzierte und teilweise deaktivierte. Nun ist der Frühling da und ich fühlte mich wie auferstanden aus Ruinen als ich vor zwei Wochen in den Spiegel blickte.

Die länger scheinende Sonne weckte meine Lebensgeister. Das Frühlingsgefühl durchströmte meinen Körper als ich die ersten Vögel zwitschern hörte. Aufgeheizt vom größten Planeten unseres Sonnensystems begannen sie ihre Nester zu bauen, während ich mich im Wintertrott noch in meinem eigenen „Federnest“ befand. Von Vitalität keine Spur. Ich musste etwas ändern, um meine körperlichen Frühlingsgefühle nicht zu verschlafen. Immerhin blühten überall schon Krokusse und Narzissen und die Wiesen leuchteten allmählich schon in einem saftigen Grün. So stolperte ich farblich gelenkt in einen Club, der für vitale Gesundheit und Fitness in der Region bekannt ist.

Es war ein Dienstag – ein perfekter Tag, an dem ich meinem körperlichen Wohlbefinden „dienlich“ sein wollte. Grün, ja grün waren auch alle Mitarbeiter des Studios gekleidet. Hier fühlte ich mich trotz meiner grauen Blässe schon mal frisch motiviert. Ich erkundigte mich nach einem kostenlosen Probetraining. „Natürlich, sehr gern.“ bekam ich als Antwort. Nun gab es kein Zurück und meine Sporttasche öffnete sich halb automatisch. Normalerweise wird in diesem Club vor Trainingsantritt ein ausführliches Beratungsgespräch geführt und eine Anamnese (Körper- und Leistungscheck) erstellt. Ich bat meinen Betreuer ausnahmsweise darauf zu verzichten, da ich erst mal die Frühlingsluft im Studio schnuppern wollte. Er willigte unter der Voraussetzung ein, dass ich es unter seiner Beaufsichtigung ruhig angehen lasse und schickte mich als erstes auf einen Drahtesel. Fahrradfahren, um meine müden Muskelgeister zu wecken und den Stoffwechsel zu aktivieren, machte mir Spaß und ich kam schnell auf den Geschmack. Mein Hunger nach mehr wurde danach im Zirkeltraining gestillt und befriedigt. Neun verschiedene Geräte standen in einem Kreis. Die 1-minütigen Übungen beanspruchen die meisten Muskelpartien und sind für Einsteiger ideal, sagte mein Betreuer. Nach zwei Runden fühlte ich mich gut und gekräftigt. Ich hätte Bäume ausreißen können. Mein Betreuer empfahl mir, es heute dabei bewenden zu lassen. ‚Häh?‘, dachte ich ‚Jetzt schon?‘. Mein Körpergefühl hatte in der letzten Stunde mein Frühlingsgefühl überholt und nun sollte ich Fünfe grade sein lassen?

Auf dem Weg zur Umkleide kam ich an einem Kursraum vorbei. Eine Meute junger Sonnenanbeterinnen sprang synchron in einem Kreis und folgte dem Schattenboxen eines weiß gekleideten „Medizinmannes“. Ich fragte meinen Körper, ob wir uns das noch zutrauen würden. Einstimmig betraten wir den Raum der Popgymnastik und stimmten unsere Glieder ein. Die Damen lächelten. Nun galt es zu zeigen, was ich und mein winterschläfriger Körper so drauf hatten. „BoxFit“ hieß der Kurs und die Runden schienen kein Ende zu nehmen – meine Ausdauer schon! Schlappmachen? Als Mann vor Frauen? Auf gar keinen Fall! Nach 50 Minuten erklang der Gong. Wo befanden sich meine einzelnen Körperteile und wo waren die Frühlingsgefühle? Lebte ich noch? Nein, ich bewegte mich in einem Vakuum aus schnell verdunstenden Körperschweiß und sah mindestens eine Fata Morgana. Meine Glieder schmerzten und ich wollte nur noch auf einer saftigen Wiese liegen. Ich traf auf meinen Betreuer, der die Augenbrauen hochzog und mir erklärte, dass ich falsch trainiert hätte. Den Effekt, den ich erzielt habe, tendiere eher gegen minus 10 als zu plus 1. Die Strafe für mein Fehlverhalten bedurfte keiner weiteren Worte. Ich erhielt sie prompt einen Tag später als ich aus meinem Bett wollte, aber nicht konnte.

Mein Tipp für alle Frühlingserwachten: Bevor Sie Ihre Sportschuhe bis zum Qualmen über den Asphalt jagen, ordentlich in die Pedalen treten oder auf dem Thüringer Rennsteig um die Wurst wandern, lassen Sie sich vorab unverbindlich beraten. Prüfen Sie Ihre individuelle körperliche Leistungsfähigkeit und bereiten Sie sich Schritt für Schritt auf Ihr erstes Mal in diesem Jahr vor. In diesem Sinne: Sport frei, aber übertreiben Sie nicht!

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März 2011: Die Vital-Kolumne (2) auf lr-online.de

Beim 656-fachen Muskelspiel sollten Halbzeiten beachtet werden
 
Der Anpfiff Ihres Hausarztes steckt Ihnen noch in den Knochen, wenn es um Ihre diagnostizierte mangelnde Bewegung und vernachlässigte Muskelstärkung geht? Glauben Sie uns, Ihr Arzt möchte Ihnen keine Moralpredigten halten, sondern bezieht sich mit seinen Bedenken ausschließlich auf die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Seine gelbe Karte ist oft berechtigt.

Muskeln sind die Grundlage unserer aktiven Fortbewegung, der Gestaltung des physischen Erscheinungsbildes sowie vieler Körperfunktionen. 656 Muskeln besitzt der gesunde Mensch. Beim Mann macht das etwa 40 Prozent seiner Gesamtkörpermasse aus – bei der Frau 23 Prozent. Die Muskelentwicklung schließt bei Männern bereits zwischen dem 23. und 27. Lebensjahr ab, während dieser Prozess sich bei Frauen bereits zwischen dem 19. und 23. Jahr einstellt. Danach sinkt die Leistungsfähigkeit Schritt für Schritt und Ihre Muskelmasse um bis zu 30 Prozent. Von da an hören Sie öfter mal Ihren Muskelkater jammern. Die weitere Entwicklung Ihrer Muskulatur hängt also insgesamt von einer bewegten bzw. weniger bewegten Lebensweise ab. Ihr körpereigener Gesundheitsverband sollte sich demnach bereits in den Mittzwanzigern nach einem starken „Mitspieler“ umschauen, der die Muskeln stärkt, um die Leistung zu halten – nach Ihnen!

Einer wie alle und alle für einen
Der Name des Großen Rückenmuskels „Musculus Latissimus Dorsi“ klingt wie ein Stürmer der italienischen Lega Nazionale Professionisti. Wie bei jeder Mannschaft Ihres Körpers gibt es im Hinblick auf das Zusammenspiel bei den Muskeln gegenspielende und zusammenwirkende: Agonisten (Spieler) und Antagonisten (Gegenspieler). Vor allem der Rücken sollte regelmäßig trainiert werden. Ansonsten macht Ihr Muskelkater irgendwann einen Katzenbuckel und sie müssen Ihr körpereigenes Team früher auf die Auswechselbank schicken als nötig. Dass das weh tut und ins Geld gehen kann, muss hier nicht erwähnt werden.

Verdiente Halbzeitpause
Für alle Muskelgruppen im Training gilt, dass sich die beanspruchten Partien nur durch Pausen von 24-48 Stunden ideal regenerieren können. Somit sollte idealerweise ein Ruhetag auf einen Muskeltrainingstag erfolgen. Diese Zeit können Sie nutzen, um Ihren „italienischen Stürmer“ in einen bequemen Sessel zu drücken und ein Fußballspiel anzuschauen. Und was Sie noch positiver bewegen wird ist die Tatsache, dass Sie auf die Rote Karte Ihres Hausarztes sowie auf teure Behandlungen lange und länger warten müssen. In diesem Sinne: An die Muskeln, fertig, los.
 
 
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Januar 2011: Die Vital-Kolumne (1) auf lr-online.de

Zuzahlungsjahr 2011 – nur Gesunde können sparen
 
Sie spielen doch sicherlich Lotto. Würden Sie statt auf Zahlen auch eine Wette auf Ihre Gesundheit abschließen? Nein? Warum nicht? Richtig! Um und mit Gesundheit spielt man nicht – schließlich haben Sie ja nur eine. Sie sollte Ihnen lieb und teuer und teurer als ein Lottoschein sein. Apropos teurer: Im Gegensatz zum Gesundbleiben wird vor allem Krankwerden immer kostspieliger.

Praxisgebühr, Arzneimittel- und Krankenhauszuzahlungen privatisieren das System der gesetzlichen Krankenversicherung – Jahr für Jahr und Zahl um Zahl. Auch 2011 ist kein Ende der höheren Eigenbeteiligung in Sicht. Viele der 166 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland stopfen ihre Finanzlöcher mit Zuzahlungspauschalen. Rentabilität heißt das Zauberwort im Konkurrenzkampf der deutschen Kassen. Komisch, dass eine Gesundheitsreform eher dem Zahlenwerk als dem Wohle der Menschen zu dienen scheint.

Warum wirkt sich eigentlich jede ach so gut gemeinte Reform in den letzten zehn Jahren eher nachteilig auf die Bürgerinnen und Bürger aus? Soll eine Reform einen krankenden Gesellschaftszustand nicht eher verbessern als verschlechtern? Wahrscheinlich nicht! So werden auch weiterhin die Kosten in Sachen Gesundheit immer schön von oben nach unten umverteilt. Bald wird es nur noch Grundleistungen als Festzuschuss der Krankenkassen geben und für alle hinausgehenden Leistungen werden die Versicherten blechen müssen.

Wer im Lotto gewinnt, kann sich das locker leisten. Wer nicht, wird ordentlich draufzahlen müssen. Gewinnen können Sie bei diesem Spielchen nur, wenn Sie gesund bleiben! Fragen Sie diesbezüglich und zu allererst mal nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern einen Gesundheitsberater in einem Gesundheitsclub in Ihrer Nähe.
 
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Start: In Zeiten wie diesen

In Zeiten wie diesen schmelzen Eis und Schnee.
Alles gerät in Bewegung – die Richtung scheint egal.
Mediale Buchstabenlawinen verwässern Wahrheiten.
Erfolgreiche Unternehmen lieben Zahlen mehr als Menschen.
Gesellschaftliche Aufbruchsstimmung herrscht nur für bereits Stehende.
Liegen bleiben die Wetterempfindlichen – die ohne Ellenbogen.
 
JUENIGKES*TEXTEN schützt die Guten in Zeiten wie diesen.
Denn Kommunikation kann alles – sozial, ökologisch und visionär.